Das Gewaltmonopol in der Kunst. Mit Polizeistudierenden im Rijksmuseum Amsterdam

Neulich war ich mit einem Kurs des Polizeivollzugsdienst-Studienganges (PVD) auf Kursfahrt in Amsterdam. Wie es sich für eine Kursfahrt gehört, haben wir ein umfangreiches kulturelles Programm genossen. Besonders schön fand ich dabei den Gang durch das Rijksmuseum.

Um den Besuch dort ein wenig polizeiwissenschaftlich zu würzen hatte ich meine Studenten gebeten, Gegenstände und Bilder zu fotografieren, die für sie einen Polizeibezug haben. Dabei stellte sich heraus, dass diese großartige Kunstsammlung sehr geeignet ist, sich mit dem Phänomen Polizei aus kunstsoziologischer Sicht zu nähern.

Zu allererst fallen natürlich Waffensammlungen ins Auge, wie sie im 0. Stockwerk aufzufinden sind.

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Wie so häufig wird Polizei also auch von meinen Studierenden mit Waffen in Verbindung gebracht. Dabei gibt es ja genug Beispiele dafür, dass „das Wort die wichtigste Waffe des Polizisten“ ist. Ein Einsatzmittel findet aber dennoch weltweit Verwendung – nämlich der Schlagstock, den meine Studenten in einer Herkuleskeule erkennen wollten:

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Aber losgelöst vom Gedanken an das Gewaltmonopol des Staates finden sich noch zahlreiche andere Hinweise auf die Polizei – z.B. auf ihre Einsatzgebiete. So findet sich im ersten Stock eine Darstellung eines betrunkenen Paares, das ausgeraubt wird. Polizisten würden jetzt von hilflosen Personen (und im Polizeijargon von „Hilos“) sprechen.

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Besonders spannend ist die Vitrine mit den Opiumverpackungen. Sie weisen darauf hin, dass das niederländische Staat einst das Monopol auf den Verkauf dieses Nerverngiftes innehielt und nicht zuletzt mit Polizeigewalt verteidigte.

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Es finden sich aber auch Szenen wie die Messerstecherei in einem Bild von Peeter Baltens (1527-1584). Sie findet am Rande einer Kirmes statt. Mit dem Phänomen von Gewaltausbrüchen am Rande von Großveranstaltungen hat Polizei bis heute zu tun.

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Die Szene der Festnahme Diepo Necoros – eines Anführers einer antikolonialen Rebellion in Java – zeigt darüber hinaus polizeiethische Probleme auf: wie sehr darf sich Polizei von der Macht vereinnahmen lassen und wie sehr muss sie sich an ein gegebenes Wort binden? Im konkreten Fall war dem dem Mann freies Geleit versprochen worden – dennoch nahm man ihn fest.

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Besonders interessant sind auch die Einblicke in Vorformen der modernen Polizei. So läuft auf dem besagten Kirmesbild eine Gruppe Armbrustschützen Patroullie. Dabei stelt sich die Frage, die sch seit der Antike wiederholt aufwirft: wie es kommt, dass Vorformen des Polizei häufig mit Waffen agieren, die für den Kampf auf Distanz angelegt sind und die im alltäglichen Gebrauch für Polizeien denkbar ungeeignet sind.

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Und die wohl bekanntesten Bilder des Museums sind die, auf denen freiwillige Milizen dargestellt sind – eine nicht-professionelle Vorform der modernen Polizei. Sie werfen insbesondere die Frage nach dem Ansehen der Polizei in der Öffentlichkeit auf. Denn waren verantwortliche Positionen in einer Schutterij im 17. Jahrhundert noch wichtiger Bestandteil einer bürgerlichen Karriere, so sehen sich Polizisten heute nicht selten als „Fußabtreter der Gesellschaft“.

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Schon diese kleine Auswahl zeigt, dass das Rijksmuseum für Polizeibeamte und diejenigen, die welche werden wollen eine Menge zu bieten hat. Ich danke den Studierenden des Kurses BI 18/01 für diesen besonderen Ausflug in die Welt der Kunst.

Veröffentlicht von

grutzpalk

Nach der Schule in Münster und einem Austauschjahr in Italien studierte ich ab 1991 erst Jura, dann Politikwissenschaften, Soziologie und vergleichende Religionswissenschaften in Münster und Bonn. Als Erasmus-Student verbrachte ich 1995 ein Trimester am Trinity-College in Oxford. Zwischen 1994 und 2000 arbeitete ich - zuletzt als wissenschaftlicher Angestellter - für die Max-Weber-Gesamtausgabe im Teilprojekt "Rechtssoziologie". Die Promotion bei Friedrich Fürstenberg über Gewaltdiskurse deutscher und französischer Intellektueller schloss ich 2002 ab. Studienbegleitend absolvierte ich Praktika bei einer politischen Stiftung in Kairo und Tel Aviv, EU- und EU-nahen Institutionen in London, Brüssel und Luxemburg sowie bei einem Schulbuchverlag in Hannover. Zwischen 1998 und 2010 war ich Lehrbeauftragter an den Universitäten Bonn und Potsdam und an der HWR Berlin und zwischen 2003 und 2009 Referent für “Verfassungsschutz durch Aufklärung“ im Brandenburger Innenministerium. Seit 2010 bin ich Professor für Politikwissenschaften und Soziologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung (HSPV) NRW in Bielefeld.

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